Wiesenbachtraum (Tagtraum) 29.11.1994

 

Ich gehe barfuß über eine wunderschöne Sommerwiese. Es ist warm, aber das Gras unter meinen Füßen ist schön kühl. Die Wiese ist groß und weit und ich gehe immer weiter. Manchmal trete ich auf große flache Steine, sie sind bräunlich und warm. Ich trete auf immer mehr Steine, der Grasbewuchs nimmt ständig ab. Einige Steine sind jetzt auch feucht; etwas Wasser fließt zwischen ihnen, es geht etwas bergab, die Steine werden glitschig.

 

Mein Weg hat sich jetzt in einen kleinen Bachlauf verwandelt, das Wasser wird plötzlich reißender, ich rutsche aus und vorwärts nach unten, es geht einen mindestens drei Meter tiefen Schacht hinunter. Ehe ich mich irgendwo festhalten kann, werde ich weitergeschoben hinein in einen brausenden tiefen Strom.

Es geht immer schneller vorwärts, meine Kraft mich an der strudelnden Wasseroberfläche zu halten läßt nach. Nach einiger Zeit wird ein ohrenbetäubendes Dröhnen immer lauter. Ich sehe, daß weiter vorn dieser reißende Fluß in einen riesigen Abgrund stürzt und schon fliege ich im hohen Bogen einen gigantischen Wasserfall hinunter. Ich werde herumgewirbelt und tauche tief ins Wasser ein. Nach einiger Zeit habe ich keine Luft mehr, es geht immer noch nach unten. Doch es wirbelt mich wieder nach oben, an der Wasseroberfläche schnappe ich nach Luft, dann erst sehe ich wo ich bin: In einem kilometerbreiten Kanal, dessen schwarze Wände hoch aufragen.

 

Die Wasseroberfläche ist jetzt spiegelglatt, es ist fast still. Mit unaufhaltsamer Kraft werde ich langsam mit den Wassermassen vorwärtsgeschoben. Ich sehe, daß weiter vorn rechts und links die Wände aufhören und schon sind sie nicht mehr zu sehen. Jetzt gibt es nur noch mich und das Wasser, die Strömung hat fast aufgehört. Ringsum mich nichts, über mir ein sonnenloser Himmel.

 

Plötzlich spüre ich eine Berührung an meinen Füßen, ich stoße instinktiv nach unten, um mich gegen ein Tier zu verteidigen, aber da ist kein Tier. Ich spüre schlammigen Boden unter meinen Füßen. Bald kann ich stehen und vorwärts laufen. Ich laufe, stolpere, laufe, das Wasser wird flacher, der Untergrund sandiger, dann kein Wasser mehr, Strand, ich falle in den Sand.